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Der Kapitalismus befreit den menschlichen Geist – Version I

capman1.gifDie Geschichte des Kapitalismus ist sicherlich mehr als eine Geschichte der Missverständnisse: sie ist eine Geschichte von bewußten Lügen und Verzerrungen. Durchgesetzt hat sich eine linke Mythologie, die nicht nur die akademische Diskussion beherrscht, sondern auch die Medien und die Wahrnehmung großer Teile der Bevölkerung.Dabei sollte es doch nach dem Elend, dem Terror und dem schließlichen Zusammenbruch der -meisten- sozialistischen Herrschaftssystem auf der einen Seite, und der grandiosen Vermehrung des Lebensstandards und dem steilen Anstieg der Lebenserwartung in den westlich-kapitalistischen Systemen auf der anderen Seite, ein leichtes sein, den humanen Charakter des Kapitalismus anzuerkennen. Das dies nicht so ist, sollte alle Anhänger eines Laissez-faire-Kapitalismus herausfordern, sich in die intellektuelle Debatte einzumischen und der Anerkennung der Fakten zum Durchbruch zu verhelfen. Der Philosoph Andrew Bernstein, der sich in der Tradition von Ayn Rands Philosophie des Objektivismus sieht, hat dies mit seinem Buch The Capitalist Manifesto in vorzüglicher Weise getan.

Dabei verbindet er die Darstellung der unbestreitbaren, dem menschlichen Leben dienenden Resultate des Kapitalismus, mit einer Präsentation seiner moralischen Überlegenheit gegenüber allen anderen System: “Der Kapitalismus schützt das unveräußerliche Recht des Individuums auf sein Leben, und ist deshalb das einzig moralische System. Weil er die Rechte und den Geist von allen Individuen respektiert, kann er einen gewaltigen Reichtum schaffen, und ist deshalb das einzig praktische System.” Bernstein ist die Präsentation dieser Verbindung des Praktischen und des Moralischen im System des Kapitalismus durchaus nicht leicht gefallen, auch wenn man von einem objektivistischen Philosophen dies erwarten könnte. Bernstein räumt dies selbst ein, wenn er in einem Interview mit der Zeitschrift “Axiomatic” schildert, wie der Historiker John Ridpath auf Bernsteins Manuskript reagiert hat, von dem dieser eigentlich annahm, dass es fertig sei. Ridpath kritisierte, dass das Buch “stark empiristisch” sei, d. h. faktische Daten seien vorherrschend gewesen, die aber nicht genügend philosophisch erklärt seien. Bernstein nahm diese Kritik an und schrieb das komplette Manuskript noch einmal um, was ihm ein weiteres Jahr an Arbeit einbrachte, um das Buch schließlich zu dem werden zu lassen, wie es jetzt dem Leser vorliegt. Man sollte sich allerdings nicht abschrecken lassen von der -unzutreffenden- Erwartung eines verwirrenden und schwer zugänglichen philosophischen Traktats, denn Bernstein schreibt eingänglich – auch in den philosophischen Passagen des Buches -, sodass das Buch keineswegs auf philosophisch vorgebildete Leser begrenzt bleiben dürfte. Dabei sollte man allerdings festhalten, dass der Titel des Buches wohl mehr einem Marketingdenken geschuldet sein dürfte, denn eigentlich ist es eine Hommage an die Größe des menschlichen Geistes, den der Kapitalismus aus den Fesseln der etatistischen Regime der Vergangenheit befreit hat. Der Kapitalismus, daran läßt Bernstein keinen Zweifel, ist das System, das auf der Anerkennung der Individualrechte basiert, mit einer Regierung, deren einziger Zweck es ist, diese Rechte zu verteidigen. Diese Individualrechte bestehen aus dem Recht, seinem eigenen Urteil entsprechend handeln zu können, unter Beachtung der Rechte anderer Personen, die nicht verletzt werden dürfen. Als potenzielle Rechtsverletzer kommen Privatpersonen in Frage, die als Kriminelle gegen das Eigentum, das Leben und die Gesundheit von rechtstreuen Bürgern vorgehen, aber vor allem die eigene Regierung, die das Gewaltmonopol innerhalb eines bestimmten geographischen Raumes innehat: “Eine diktatorische Regierung ist eine weitaus schlimmere Bedrohung für die Menschen als ein gewöhnlicher Krimineller.” Aus der Verpflichtung der Regierung, die Individualrechte zu schützen, ergibt sich zum Beispiel auch die Notwendigkeit, die militärische Verteidigung eines Landes ausschließlich mit Freiwilligen zu organisieren, ohne die Anwendung einer Wehrpflicht. Auch darf es nicht Aufgabe der Regierung sein, erwachsene Personen von Handlungen abzuhalten, die irrational oder selbstzerstörerisch sein können, die aber keine Anwendung von Gewalt gegen andere Personen implizieren. Nur durch die direkte Anwendung physischer Gewalt oder indirekt in der Form von Betrug können Menschen davon abgehalten werden, ihrem eigenen Urteil im Streben nach ihrem persönlichen Glück zu folgen. Der Kapitalismus erfordert deshalb als ein moralisches Prinzip ein umfassendes Verbot der Initierung von Gewalt. Ein solches System der konsequenten Verteidigung der Individualrechte, stellt Bernstein fest, hat es in der Geschichte bisher nicht gegeben. Es waren die Nordstaaten des USA am Ende des 19. Jahrhunderts, die diesem Ideal bisher am nà �hsten gekommen sind (Bernstein erwÃ�hnt nicht explizit, weshalb die SÃ�dstaaten diesem Ideal nicht annÃ�hernd entsprechen konnten, wie es etwa Ayn Rand 1977 im Ford Hall Forum tat: “Der SÃ�den war nie ein Beispiel fÃ�r Kapitalismus; er war eine landwirtschaftliche, feudale Gesellschaft.”) . Bernstein liefert im Rahmen seiner Arbeit keine Analyse anarcho-kapitalistischer Theorien, die die Idee propagieren, konkurrierende Schutzagenturen an die Stelle eines finalen Schiedsrichters in Form des Staates treten zu lassen, aber Ayn Rand selbst hat nie einen Zweifel darÃ�ber aufkommen lassen, dass sie derartige Ideen als inkompatibel mit ihrer Philosophie ansieht: “Das ist ein unverantwortlicher Haufen Unsinn. Das ist die einzige Antwort, die die Frage verdient.””Es ist zentral fÃ�r ein richtiges VerstÃ�ndnis des Kapitalismus” schreibt Bernstein, “dass seine philosophische Essenz unterschieden wird von den mangelhaften historischen Versuchen, sie zu implementieren.” Ein damit zusammenhÃ�ngendes MissverstÃ�ndnis besteht aus dem Versuch, aus dem Verhalten von individuellen Kapitalisten die Natur des Kapitalismus abzuleiten. Ebenso falsch wÃ�re es, aus den mÃ�rderischen AktivitÃ�ten von Diktatoren wie Hitler oder Stalin auf die Natur von Staaten zu schließen (Hitler und Stalin reprÃ�sentieren die Natur des Etatismus). Weder die Geschichte des Kapitalismus noch die Handlungen der Kapitalisten vermÃ�gen die fundamentale Natur des Systems zu verÃ�ndern: kein Konsensus unter den Unternehmern kÃ�nnte zum Beispiel etwas an der Natur von ZÃ�llen Ã�ndern. Bernstein prÃ�gt fÃ�r diese Versuche der Vermischung von historischen Fakten mit der Essenz des Kapitalismus den Begriff “Empiristischer Fehler”. Zum Studium der Natur des Kapitalismus verweist Bernstein auf die Periode der AufklÃ�rung: “Der Kapitalismus wurde geboren wÃ�hrend dieser Periode, die Prinzipien der AufklÃ�rung bilden seine Essenz.”

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